Untitled (Strange Meeting II) 2013  Spray paint/ Oil on canvas  150x200cm

VIS-À-VIS: REGINA NIEKE, MALERIN

 

Wie kam es, dass Sie Malerin wurden?

 

Regina Nieke: Ich bin schon sehr früh gern ins Museum und in Ausstellungen gegangen, habe mich für Philosophie interessiert und viel gelesen. Beworben habe ich mich zunächst an Kunsthochschulen für Design; für Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Ich wurde dann sowohl an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe im Fach Kunst als auch an der Universität der Künste in Berlin im Fach Design angenommen. Ich begann dann zuerst Kunst in Karlsruhe zu studieren, wollte aber auf das Designstudium nicht verzichten. Nach einem Jahr habe ich mein Studium in Berlin begonnen. Und schließlich habe ich mich für ein Doppelstudium in Berlin entschieden. Heute bin ich sehr froh darüber, dass ich sowohl Kunst als auch Design als Studiengang erfolgreich abgeschlossen habe. In meiner Arbeit als Künstlerin sehe ich heute, wie wichtig es für mich war, Design bei so guten Professoren, wie Vivian Westwood u.a., zu studieren. 

 

 

Ihre Arbeit weist viele kunsthistorische Bezüge auf. Hat das mit Ihrer schon frühen Liebe zu Museen zu tun?

 

Regina Nieke: Ja, bestimmt. Meine Großeltern kommen aus Berlin, so konnte ich schon als Kind immer wieder die großen Berliner Museen besuchen. Dazu kommt, dass mein Großvater ebenfalls eine sehr beeindruckende Kunst-Bibliothek besaß.

Ich bin der Meinung, dass man alle seine künstlerischen Väter kennen sollte, unabhängig davon, wie man persönlich zu ihnen steht. Wir haben in Europa eine sehr weitreichende Kunstgeschichte und Malerei-Kultur. Selbst wenn man diese Geschichte nicht bewusst wahrnimmt, so ist sie doch im Unterbewusstsein vorhanden. Man bezieht sich immer auf seine malerischen Vorfahren.

 

 

Wie wichtig ist Handwerk?

 

Regina Nieke: Ich bin ein richtiger Maltechnik-Freak. Die menschliche Figur ist das schwierigste Thema – da muss man tiefer gehen, um zu einer relevanten Aussage zu gelangen.

 

 

Auf Ihren Bildern sieht man immer nur einen einzelnen Menschen. Warum?

 

Regina Nieke: Es ist kein Zufall, dass es immer nur eine Figur ist. Ich möchte, dass das Bild für den Betrachter wie ein Spiegel fungiert. Mit Einsamkeit hat das erstmal nichts zu tun. Ich möchte ein sehr intensives Gefühl beim Betrachter auslösen. Dies scheint mir nur mit einer einzigen abgebildeten Figur möglich zu sein. Bei Bildern mit mehreren Figuren entsteht bei dem Betrachter des Bildes automatisch ein emotionaler Abstand zum erlebten Gemälde. Dies möchte ich durch meine einzelne Figur vermeiden, der Betrachter soll sich unmittelbar mit der abgebildeten Figur identifizieren können.

 

 

Sie wollen in Ihren Bildern den Menschen auf das Wesentliche reduzieren. Ist eigentlich Ihrer Meinung nach der Mensch, den Sie abbilden, immer noch derselbe wie der, der vor Jahrhunderten gemalt wurde?

 

Regina Nieke: Ich kann heute ganz anders herangehen als die Maler in der Vergangenheit. Ich denke, dass die Bilder, die ich male, nur heute gemalt werden können. Mir geht es ganz global um das menschliche Sein. Es ist meine Lebensaufgabe, mit der malerischen Freiheit umzugehen, die ich heute besitze. Das fängt dabei an, dass ich als Frau malen kann und geht weiter damit, was heutzutage erlaubt ist. Vielleicht hätte ich in der Renaissance auch malen können, aber das hätte wahrscheinlich niemand je gesehen. Mir geht es um die Reduktion auf das Wesentliche.

 

Sollen Ihre Bilder etwas Einzigartiges, Nie-Dagewesenes sein?

 

Regina Nieke: Ja. Wenn ich male, konzentriere ich mich vollkommen auf das entstehende Bild. Je näher ich mir selbst dabei bin, je persönlicher und ehrlicher die Arbeiten entstehen, desto authentischer und einzigartiger werden diese auch hoffentlich für den einzelnen Betrachter.

 

 

Was bedeutet es Ihnen, in Schöneweide zu arbeiten?

 

Regina Nieke: Es ist eine inspirierende Umgebung. Ich bin aus Berlin-Mitte hierher gezogen. Im Vergleich zu Berlin-Mitte ist die aktuelle Umgebung viel ruhiger. Es ermöglicht mir, mich besser auf die Arbeit zu konzentrieren.

 

 

Wo kann man Ihre Arbeiten demnächst sehen?

 

Regina Nieke: Gerade waren meine Arbeiten in einer Ausstellung im Kulturzentrum Alte Schule in Berlin-Adlershof zu sehen. Bis Ende Februar 2016 stelle ich in der Galerie Thomas Fuchs in Stuttgart aus.

Demnächst wird auch meine erste umfangreiche Monografie mit dem Titel „The Figurative Element“ beim KERBER Verlag veröffentlicht. Diese Publikation wird ebenfalls zur Eröffnung meiner Einzelausstellung mit demselben Titel bei der COLLECTIVA gallery, in der Brunnenstraße 152 in Berlin-Mitte, am 22. April, um 19 – 21 Uhr zu sehen sein. Die Ausstellung bei der COLLECTIVA gallery läuft bis zum 17.06.2016. Herzliche Einladung!

 

 

Mit Regina Nieke sprach Harry Mehner.

© Regina Nieke / reginanieke@mail.com

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